Kein Platz für Eitelkeit?!

Der ganz tolle Blog von Laura. Ich empfehle die Texte, die wunderbar locker und luftig davon berichten, wie’s einer Pilgerin auf dem Weg geht. Und hier schreibt sie über Eitelkeit. Nicht wirklich, aber dennoch. Es geht um das devote Pilgerhemd…

Laura Läuft

Bevor es zur Diskussion kommt: Ja, der Jakobsweg ist tatsächlich nicht der richtige Ort, um sein Äußeres in den Vordergrund zu stellen. Trotzdem mag ich meine Eitelkeit nicht komplett über Bord werfen. Und ich glaube, damit bin ich nicht alleine. Und das stellt mich vor zwei große Herausforderungen. Erstens:  Mein Packgewicht ist eingeschränkt. Zweitens: Die meisten Outdoor-Sachen sind einfach unvorteilhaft.

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von Wegen, der Wahrheit und dem Leben (danach)

Gedanken eines Pilgerbruders, der von Osttirol nach Santiago gepilgert ist.

altenklug

Am Ende der Ausbildung, am Beginn des „echten Lebens“ und doch Mitten im Nirgendwo.

So fühlt sich Leben vieler Mitte 20jähriger, vulgo der „Generation Y„, an. Wie dankbar & erleichtert war ich, als diese rites de passage meine Gedanken kreuzte: Der Jakobsweg. – Verspricht ein solcher Weg doch Abhilfe von der Orientierungslosigkeit (m)eines Erlebens…

Heimkehr Heimkehr nach Obertilliach

Gerade wieder angekommen – gefühlt erst vor kurzem, wenngleich am 30. Oktober in Santiago de Compostela – will ich reflektieren was er für mich war und zu was er (für jede*n) werden kann.

Das Ideal vorweg: frei von alltäglichen Pflichten, Lastern und dem gewohnten Umfeld, führt dieser Weg zum „wahren Ich“ und damit dem „eigenen Weg“ im Leben. Du bist nur dir selbst verpflichtet – doch deine Wertvorstellungen, gelernte Normen und alte Konflikte werden dich ebenfalls begleiten. Niemand glaubt dich zu kennen und zwängt dich damit nicht…

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Via Tolosana von Montpellier nach Toulouse, 2013

2013 war ich insgesamt vier Wochen unterwegs. Mit kulturellen ‚Rastplätzen‘ an der Strecke. Schon gleich in Montpellier, dann in Saint-Guilhem-le-Désert, in Saint-Gervais-sur-Mare, Murat-sur-Vèbre und dann natürlich in Castres.

Ich hab mir dann auch eingebildet, quasi eine Dia-Schau zu produzieren. Die erste in meinem Leben. Unterlegt hatte ich das alles mit Edith Piaf. Aber da war dann Youtube dagegen und hatte mich gewarnt. So ist die Musik halt halblau dafür aber nicht einklagbar. Voilà.

Christoph Ransmayr: Geständnisse eines Touristen

Vermutlich hat Ransmayr solche Landschaften gemeint: "Denn zum Fußweg gehört auch der langsame, allmähliche Wechsel der Perspektive, das Innehalten und Betrachten." Hier: Auf dem Camino Aragonés in der Nähe von Monreal.
Vermutlich hat Ransmayr solche Landschaften gemeint: „Denn zum Fußweg gehört auch der langsame, allmähliche Wechsel der Perspektive, das Innehalten und Betrachten.“ Hier: Auf dem Camino Aragonés in der Nähe von Monreal.

Auf meiner Suche nach Erklärungen, weshalb die wohl älteste Form menschlicher Fortbewegung, nämlich das Gehen zu Fuß bzw. das Pilgern in unserer hochtechnisierten Welt immer mehr Anhänger_innen findet bin ich auf Christoph Ransmayr gestoßen.

Ransmayr, das gebe ich zu, ist mein erklärter ‚Lieblingsdichter‘. Ein Poet. Einer, der in wunderbarer Form und Sprache fantastische Geschichten erzählt. Dessen Kurzgeschichten zum Besten gehören, was derzeit in deutscher Sprache erhältlich ist. Und, ganz wichtig: der sich auch als Fußgänger betrachtet.

Ransmayr erklärt in seinem wundervollen ‚Kurzroman‘ „Geständnisse eins Touristen“. Ein Verhör“ einem imaginären Interviewer die Vorteile des ‚zu Fuß Gehens‘. Und das fasziniert mich so, dass ich es hier auf meinem Blog veröffentlichen möchte.

Ich kann sagen, dass diese Formulierung Ransmayrs genau auf mich zutrifft. Etwas, was ich nie in einer derartigen Kürze und Klarheit hätte formulieren können. Dafür bin ich dem großen österreichischen Poeten sehr dankbar.

„Ja, ich gehe viel zu Fuß. Das Gehen ist die Fortbewegung, die mir am ehesten entspricht. Dabei bin ich kein Entdecker und schon gar kein Eroberer. Vermessen und kartographiert ist so gut wie alles, aber weitgehend unbekannt ist immer noch, was sich in einem selbst auftut, wenn man durch eine ungeheure, übermächtige Landschaft geht. Ich kenne keine Fortbewegungsart, die dem Denken, dem Sprechen und schließlich auch Schreiben gemäßer wäre als das Gehen. Denn zum Fußweg gehört auch der langsame, allmähliche Wechsel der Perspektive, das Innehalten und Betrachten. Erst dadurch kann so etwas wie ein vielschichtiges Bild der Welt entstehen. Material für Geschichten, Erzählungen. Die Linie, der rote Faden, der durch alle Wechsel der Geschwindigkeiten und Perspektiven einer Erzählung führt, erscheint mir immer als die Route eines Fußgängers.“ *)

*) Christoph Ransmayr, Geständnisse eines Touristen. Ein Verhör. S. Fischer, Frankfurt/Main, 2004. ISBN 3-10-062927-2

 

Via Tolosana – Camino Aragonés – 30. Etappe: Monreal – Puente la Reina

Die Brücke der Königin. Ein Meisterwerk romanischer Brückenbaukunst.
Die Brücke der Königin. Ein Meisterwerk romanischer Brückenbaukunst. Das Ziel der letzten Etappe auf der Via Tolosana / Camino Aragonés.

Das ist die letzte Etappe auf der Via Tolosana / Camino Aragonés. In Puente la Reina mündet der Weg über den Somport-Pass in den Camino Francés, also den französischen Jakobsweg. Als wenn er die fohen Pilger / die lächelnden Pilgerinnen an etwas Neues gewöhnen wollte zeigt sich der Camino Aragonés bereits in jenen Farben, die bis zum O’Cebreiro quasi die natürliche Farbpalette darstellen: Ocker und Brauntöne in allen Schattierungen. Bei schönem Wetter aufgehellt durch einen kaum zu beschreibenden, wunderschön-azurblauen Himmel.

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Via Tolosana – Camino Aragonés – 29. Etappe: Sangüesa – Monreal (bask. Elo)

Das Mittelalter ist am Camino Aragonés immer präsent. Wie hier die uralte Pilgerbrücke über das Flüsschen Boto bei Salinas de Ibargoiti.
Das Mittelalter ist am Camino Aragonés immer präsent. Wie hier die uralte Pilgerbrücke über das Flüsschen Boto bei Salinas de Ibargoiti.

Es ist eine Etappe, die den biederen mitteleuropäischen Pilger / die gewohnt charakterfeste Pilgerin wahrhaftig staunen lässt. Vermittelt doch diese Wegstrecke einerseits eine zarte Ahnung davon, wie prall gefüllt die Füllhörner aus Brüssel sein müssen. Und andererseits, mit welchen Methoden Geld verbetoniert (früher wurde es ja verbrannt…) werden kann. Über Navarra und im Speziellen über dem Camino Aragonés dieser Etappe ist jedenfalls ein prall gefülltes Geldhörnchen der EU verschüttet worden. Gnadenlos. Aber dazu später.

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